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„Sobald es wieder losgehen kann …“

An diesem Wochenende vor genau einem Jahr ging es wegen der Corona-Pandemie erstmals in einen harten Lockdown. Sämtliche Bühnenlichter erloschen, meine KollegInnen und ich konnten Euch, unser Publikum, nicht mehr unterhalten, wir konnten nicht mehr arbeiten, es brachen uns sämtliche Einnahmen weg.

Meinerseits kann ich von Glück sagen, dass ich im Laufe der vergangenen 12 Monate noch einige Male habe spielen dürfen, meistens draußen, für weniger Zuschauer, mit bedrückenden Auflagen, weit entfernt von üblichen Einnahmen, manchmal für die Kameralinse vor leeren Rängen und für ein für mich nicht sichtbares Auditorium, jedenfalls nicht so wie Theater sein sollte. Ich habe die Absagen von Vorstellungen irgendwann nur noch so durchgewunken, habe neue Termine gemacht, diese verschoben, erneut verschoben, noch einmal verschoben. Ein ganzes Jahr lang.

Wir Bühnenmenschen sind ein zähes Völkchen. Sind wir immer gewesen; ganz harte Viecher. Jeder von uns hat während dieser Zeit gemacht, was irgendwie gerade noch so möglich war. Wir haben gewagt, umgesetzt, uns ausgetauscht, geplant und verworfen und wieder neu geplant, haben versucht, uns an die Problematiken der Pandemie und die nötigen Schutzmaßnahmen anzupassen. Wir haben einander Mut gemacht, sofern er noch vorhanden war; den KollegInnen, bei denen er kaum noch oder nicht mehr vorhanden war. Wir haben nie erwünschte Konzepte erdacht und oft das zuvor unmöglich Scheinende möglich gemacht. Herrje, wir haben geprobt! Trotz all dem! Ohne Aussicht auf eine Premiere, geschweige denn eine anschließende Spielzeit.

Wir taten all das nicht bloß, weil das unser Job ist. Auch nicht einzig und allein deshalb, weil wir es einfach nur geil finden, vor Menschen auf einer Bühne zu stehen. Sondern vor allem, damit die Kultur und mit ihr auch wir weiter existieren können. Weil die Kultur – in welcher Form auch immer – in unserer Verantwortung liegt. Weil wir dafür da sind, für unser Publikum da zu sein.

Inzwischen sind die Batterien so vieler von uns aufgebraucht. Menschen, Existenzen, auf und hinter der Bühne sind am Limit oder haben es bereits überschritten. Und weiterhin starren wir ohnmächtig auf die Tatsache, dass die Politik für unser wundervolles Metier, der Kultur – eines der größten Wirtschaftszweige dieses Landes – zwar Fangnetze notdürftig zusammenknotet, durch dessen Maschen hindurch wir Bühnenakrobaten aber fallengelassen werden. – Immer noch. Nach einem Jahr. Und es droht die Aussicht, bald sagen zu müssen: Nach über einem Jahr.

… und trotz all dem weigere ich mich, diesen Text so enden zu lassen.

Ich will nichts mies-, aber auch nichts schönreden. Weder will ich Hoffnungen schüren, die keine Substanz haben, noch Prognosen verkünden, die noch mehr schwächen, als die Realität es bereits tut. Ich will auch keine Schuld zuschieben. Wir haben eine verflixte Pandemie, die es in dieser Zeit noch nie gab. Da stolpern auch Politiker durch ein unbekanntes Minenfeld.

Aber – verdammt nochmal – wenn auch ein ganzes Jahr unter Corona vergangen ist, so heißt das auch, dass nun erneut ein Frühling beginnt! – Das ist kein Grund unvorsichtig zu werden. Keiner kann derzeit sagen, wie groß die dritte Welle, die da anrollt, werden mag … aber zwei haben wir schon hinter uns gebracht und auch diese wird irgendwann abflauen. Daran möchte ich glauben. Und auch daran, dann sagen zu können: Wir, das zähe Völkchen der Bühnenmenschen, sind noch da! Wir mögen geschwächt und abgekämpft sein. Aber wir haben diese, ein ganzes Jahr währende Zwangspause auch genutzt.

Wir haben Startlöcher gebuddelt. Und wir scharren mit den Hufen.

Und jeden Tag beginnen wir einen Satz mit „Sobald es wieder losgehen kann …“

Hochverehrtes Publikum!

Es liegt nun an Dir und Euch.

Wir werden alles tun, was zu Eurer Sicherheit nötig ist.

Aber ohne Euch gibt es uns nicht. Und ohne uns ist (und bleibt es) leider vorerst still.

Ohne Euch kann die Show nicht weitergehen. – Aber sie MUSS weitergehen. Das musste sie immer. Daran hat sich nie etwas geändert.

Bis es so weit ist, könnt Ihr schon so viel tun.

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Kostet alles keinen Cent.

Und sobald es wieder losgehen kann … dann lasst uns nicht im Stich. – Dann kommt!

Und dann werden wir Euch – wie bis vor einem Jahr – wieder gut unterhalten.

Versprochen.

Markus Veith

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